Besitzen wir zu viel Kleidung?

Nicht die Menge an Kleidung im Kleiderschrank allein entscheidet über deren ökologischen Fußabdruck, sondern auch, wie oft die einzelnen Kleidungsstücke tatsächlich getragen werden. Ein einfacher Rechentest zeigt, wie lange es dauern kann, bis sich der Fußabdruck der Herstellung durch häufiges Tragen relativiert.
Die EU empfiehlt als Richtwert, Kleidungsstücke mindestens 70 Mal zu tragen, um den fossilen Fußabdruck ihrer Produktion auszugleichen. Wie schnell diese Zahl erreicht wird, hängt dabei stark davon ab, wie viele Kleidungsstücke vorhanden sind und wie häufig sie getragen werden.
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, im Kleiderschrank befinden sich 15 Kleider, von denen jedes einmal pro Woche getragen wird. Um jedes Kleid 70 Mal zu tragen, müssen die Kleider insgesamt 1.050 Mal getragen werden.
Mit einer einfachen Rechnung lässt sich für den eigenen Kleiderschrank abschätzen, wie lange es dauert, diese Tragehäufigkeit zu erreichen:
Anzahl der Kleidungsstücke × empfohlene Tragehäufigkeit ÷ Tragehäufigkeit pro Jahr.
Am Beispiel des Kleides bedeutet das:
Bei einer Tragehäufigkeit von einmal pro Woche entspricht das:
15 Kleider × 70 Tragevorgänge = 1.050 Tragevorgänge
1.050 ÷ 52 Wochen = rund 20.000 Jahre
Tragen wir also pro Woche ein Kleid aus unserem Kleiderschrank, würde es rund 20.000 Jahre dauern, bis jedes der 15 Kleider 70 Mal getragen wurde.
Wie sieht es mit anderen Kleidungsstücken aus?
Je nach Kleidungsart gelten unterschiedliche Empfehlungen für die Mindestanzahl der Tragevorgänge:
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Hemden und Blusen: 40 Mal
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T-Shirts: 45 Mal
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Hosen, Röcke und Kleider: 70 Mal
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Pullover und Langarmshirts: 85 Mal
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Jacken und Mäntel: 100 Mal
Der Test macht deutlich: Kleidung möglichst lange zu nutzen und häufig zu tragen, ist ein wichtiger Schritt, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Deshalb lohnt sich vor dem nächsten Kleidungskauf auch ein Blick in den eigenen Kleiderschrank: Was ist bereits vorhanden und wird tatsächlich regelmäßig getragen?
Quelle: The Conversation, „How much clothing is too much? The maths behind having a sustainable wardrobe“, 2025.
(Die Primärquellen sind in dieser Sekundärquelle verlinkt)